Jubiläum

20 Jahre Jugendrotkreuz

Zeit schenken, Begegnungen schaffen und Verantwortung übernehmen: Dafür engagieren sich junge Menschen beim Jugendrotkreuz Zürich seit zwei Jahrzehnten. Ein Rückblick auf Veränderung, Wachstum und Beständigkeit.
Ein junger JRK-Freiwilliger erklärt einer Bewohnerin etwas am Computer

«Das Rote Kreuz setzt auf die Jugend.» So lautete der Titel eines Artikels in der lokalen Quartierzeitung Züriberg im Januar 2007. Nur einen Monat zuvor, im Dezember 2006, wurde beim Zürcher Roten Kreuz das Jugendrotkreuz (JRK) gegründet. Auch die Kantonalverbände des Roten Kreuzes in Genf, Basel, Freiburg und Bern verfügten bereits über ein Jugendrotkreuz. Davor gab es für Jugendliche, die beim Roten Kreuz Freiwilligenarbeit leisten wollten, keine Einsatzmöglichkeiten. Diesem fehlenden Angebot wollte man entgegenwirken. Heute feiert das Zürcher Jugendrotkreuz sein 20-Jahre-Jubiläum. Ein passender Anlass, um auf die Anfänge zurückzublicken. 

Zeit schenken 

In den Anfangsjahren leitete Ursina Mayor das JRK. Auf die Frage, weshalb es ein Jugendrotkreuz im Kanton Zürich brauche, antwortete sie damals treffend:

Weil es hier wie anderswo Leute gibt, die Hilfe brauchen, und es Jugendliche gibt, die Freiwilligenarbeit leisten wollen.
Ursina Mayor, JRK-Mitgründerin

Schon in den ersten beiden Monaten meldeten sich zahlreiche interessierte junge Menschen. 2012 zählte das JRK Zürich rund 60 Freiwillige, die sich in sechs Programmen engagierten. Heute schenken über 360 junge Menschen in 20 unterschiedlichen Programmen regelmässig ihre Zeit, um andere zu unterstützen. Bereits bei der Gründung strebte man an, die Zahl der Freiwilligen und Programme langfristig auszubauen. Ein Ziel, das man nachhaltig und eindrücklich erfüllen konnte. 

Die Einsatzmöglichkeiten beim JRK sind vielfältig. Die Freiwilligen engagieren sich für ältere Personen, geflüchtete Menschen oder sozioökonomisch benachteiligte Kinder. Zu den ersten Aktivitäten des JRK gehörten Spielnachmittage in Durchgangszentren. Die Kinder, die dort leben, haben viel Schweres durchgemacht. Gleichzeitig fehlen ihnen häufig Möglichkeiten für unbeschwerte Freizeitaktivitäten. Genau deshalb wurden die Spielnachmittage ins Leben gerufen. Dank Spenden und dem Engagement Freiwilliger können die Kinder jede zweite Woche die Realität für einen Moment vergessen und in eine Welt voller Spiele, Kreativität und Gemeinschaft eintauchen. Ganz nebenbei werden spielerisch erste oder weitere Deutschkenntnisse geübt. Gleichzeitig erhalten die Eltern einige Stunden Ruhe und Zeit für sich. 

Auch heute besteht dieses Angebot noch. Die JRK-Freiwilligen besuchen regelmässig das Durchgangszentrum in Volketswil sowie das Rückkehrzentrum Ober Halden. Auch die Besuchsnachmittage in Alterszentren waren von Anfang an ein fester Bestandteil. Dort verbringen Freiwillige und Bewohnende gemeinsam Zeit. Vom gemeinsamen Kaffeetrinken über Brettspielrunden und dem Erklären von Apps auf Handys bis hin zu Spaziergängen ist alles möglich. Im Mittelpunkt steht der Austausch zwischen den Generationen und die Freude am gemeinsamen Miteinander.

Immer in Bewegung 

Doch nicht alle Aktivitäten werden bereits seit Tag eins durchgeführt – einige wären 2006 weder möglich noch nötig gewesen. Zum Beispiel die Online-Hausaufgabenhilfe: Entstanden ist diese durch die Umstände der Pandemie. Heute wird sie immer noch geschätzt und genutzt. Das Jugendrotkreuz war schon in der Gründungszeit dynamisch und passt sich auch heute den Umständen an. 

Eine lustige Anekdote über Flexibilität – diesmal in einer spassigen Situation – erzählt Reto Mauchle, Projektleiter beim JRK: «Im Dezember veranstalteten wir jeweils einen Raclette-Abend für alle Freiwilligen in einem älteren Gebäude. Zu diesem Anlass waren ziemlich viele Raclette-Öfeli an den Steckdosen angeschlossen – wohl etwas zu viele. Alle hatten Hunger und freuten sich auf den geschmolzenen Käse, als plötzlich der Strom ausfiel. Bis wir die Sicherung gefunden und das Problem behoben hatten, wurden wir kreativ und stellten gemeinsam Kerzen für Licht auf, assen Essiggurken, lachten und nahmen die Situation so, wie sie war.» 

Ein Junge in der Turnhalle spielt mit dem Basketball bei einer JRK-Ferienaktivität

Ferienangebot

Die erwähnte Dynamik zeigte sich auch, als etwas anderes ausfiel. Während Ferienzeiten sind viele Freizeitangebote von anderen Organisationen geschlossen. Dadurch entstand eine Lücke für die Kinder und Jugendlichen, die ihre Ferien zu Hause verbringen. Diese Lücke wollte das JRK füllen. So wurde die Idee der Ferienwoche geboren. Eine davon ist die «SpoKo», Ferienwoche Sport und Kochen, die 2009 ins Leben gerufen wurde. Bewegungsmangel und ungesunde Ernährung sind unter Kindern und Jugendlichen verbreitet. Aus diesem Grund entwickelte das JRK ein Projekt, das beide Themen gleichzeitig aufgreift. Während dieser Ferienwoche lernen die Kinder und Jugendlichen, einfache und gesunde Gerichte zuzubereiten. Ergänzt wird das Programm durch sportliche Aktivitäten, die für Abwechslung sorgen und Bewegung fördern. Zusammen mit den theoretischen und kulinarischen Inhalten entsteht so ein Ferienangebot mit hohem Spassfaktor und Gesundheitsvorsorge als – beabsichtigtem – Nebeneffekt. 

Heute, 20 Jahre nach seiner Gründung, blickt das Jugendrotkreuz Zürich auf eine beeindruckende Entwicklung zurück und ist stolz, auf die Jugend gesetzt zu haben. «Die Relevanz der Jugend anzuerkennen, ist sehr wichtig. Die jungen Menschen sind die Zukunft. Wir müssen sie mitreden lassen und fördern. Das Verständnis, dass man Jugendliche miteinbeziehen soll, war damals schon im SRK Kanton Zürich verankert», unterstreicht Reto Mauchle.

Freiwillige gesucht

Beim Jugendrotkreuz gibt es viele spannende Einsatzmöglichkeiten. Melde dich, wir freuen uns über weitere Freiwillige!