Rotkreuz-Grüezi

Mit Herz am Hörer

Ein Leben lang stand Ruth Menschen telefonisch zur Seite. Als Freiwillige im «Rotkreuz-Grüezi» setzt sie ihre Leidenschaft fort – und fand eine berührende Verbindung zurück zum Zürcher Roten Kreuz.
Porträtfoto von Ruth, eine Freiwillige vom Rotkreuz-Grüezi

Ruth ist gelernte Telefonistin, arbeitete früher bei der Notruf-Zentrale des Rotkreuz-Notrufs und hat vor einigen Jahren den Lehrgang Pflegehelfende SRK im Zürcher SRK-Bildungszentrum abgeschlossen. 

Heute unterstützt sie als Freiwillige das «Rotkreuz- Grüezi» und nimmt sich am Telefon für Menschen Zeit, die sie einst im Notfall betreute. Damit schliesst sich ein Kreis, der sie über verschiedene Stationen stets zum Zürcher Roten Kreuz geführt hat. Doch beginnen wir von vorne. Ruth ist 76 Jahre alt und wohnt in Uster. Ihre letzte Stelle vor der Pensionierung war bei der Notruf-Zentrale, wo die Anrufe eingehen, wenn ein Rotkreuz-Notruf ausgelöst wird. «Ich habe Sprache immer geliebt und Kommunikation ist meine Stärke», erzählt Ruth.

Damals gab es noch die Ausbildung zur Telefonistin, diese passte gut zu mir.
Ruth, Freiwillige bei «Rotkreuz- Grüezi»

Dem Zürcher Roten Kreuz verbunden 

Ruth war schon immer freiwillig engagiert. Unter anderem auch bei der Organisation Alzheimer Zürich. «Mit der Krankheit kam ich schon als Zehnjährige in Kontakt, da mein Grossvater mit Alzheimer bei uns lebte. Auch mein Vater wurde später dement. Somit hatte ich nie Berührungsängste und konnte betroffene Menschen und ihre Angehörigen unterstützen. Ich nahm als Freiwillige an den Ferienwochen von Alzheimer Zürich für Erkrankte und Angehörige teil. Obwohl ich bereits viel über die Krankheit und den Umgang damit wusste, wollte ich mir mehr Fachwissen aneignen. Deshalb absolvierte ich den Lehrgang Pflegehelfende SRK und danach den Lehrgang Demenzbetreuung SRK beim Zürcher Roten Kreuz», berichtet Ruth. 

Ich war dem Roten Kreuz schon immer verbunden.
Ruth, Freiwillige bei «Rotkreuz- Grüezi»

Während der Pandemie machte sich Ruth auf die Suche nach einem neuen Freiwilligeneinsatz. Ein Inserat für Freiwillige beim «Rotkreuz-Grüezi» sprach sie sofort an. Ein neues Angebot vom SRK Kanton Zürich, das wie ein telefonischer Besuchsdienst funktioniert. Die Idee entstand während der Pandemie, da die Kontaktmöglichkeiten sehr beschränkt waren und viele allein lebende ältere Personen sich jemanden zum Reden wünschten. Um ein offenes Ohr zu bieten, telefonieren Freiwillige des «Rotkreuz- Grüezi» regelmässig mit Notruf-Kundinnen und -Kunden. Da Ruth lange bei der Notruf- Zentrale für den Rotkreuz-Notruf gearbeitet hatte, kannte sie den Notruf und die Kundinnen und Kunden bestens. Zudem brachte sie mit ihrer langjährigen Arbeitserfahrung am Telefon die idealen Kompetenzen mit. Es war wie für sie gemacht. 

Für das Wohl der Mitmenschen

In den fünf Jahren als Freiwillige hat Ruth schon zahlreiche Telefonate geführt. Aktuell telefoniert sie regelmässig mit vier Notruf-Kundinnen. «Mit der Zeit baut man eine Beziehung auf», sagt sie. Die Gesprächsthemen sind unterschiedlich. Das SRK Kanton Zürich versucht jeweils, passende Duos zu bilden. Ruth erzählt, dass sie einst mit einem Mann telefonierte, der gern über die Politik in der Stadt Zürich sprach. Da Ruth in Uster lebt, wusste sie nicht vertieft über das politische Geschehen in der Stadt Bescheid und war nicht die richtige Gesprächspartnerin für ihn. Das SRK-Team suchte jemand anderen für die Telefonate mit ihm. 

Ruth bemüht sich sehr um das Wohl der Mitmenschen. Sie schätzt an dieser Aufgabe, dass sie sich Zeit nehmen kann für die Personen. «Das ist selten so. Im Beruf hat man meistens sehr wenig Zeit am Telefon und muss sich schnell der nächsten Person widmen. » Die Gespräche dauern unterschiedlich lang, manchmal eine Stunde, manchmal zehn Minuten. Dies hänge auch davon ab, wie gut es ihren Telefonpartnerinnen gehe, betont Ruth mit fürsorglicher Stimme. «Die meisten haben niemanden. Diese Telefonate bedeuten ihnen viel.»