Lehrgang Pflegende Angehörige SRK

Mit dem Wissen aus dem Lehrgang wird der Alltag leichter

Zwei pflegende Angehörige mit jahrelanger praktischer Erfahrung berichten, was sie gelernt haben. Sie empfehlen den Kurs allen, die sich regelmässig um eine pflegebedürftige Person kümmern.
Eine Frau hilft einer älteren Frau beim Aufstehen

«Ich habe in meinem Leben noch nie so viel in so kurzer Zeit so einfach gelernt», sagt die 38-jährige Michèle Heidemeyer. Sie ist eine der ersten Teilnehmerinnen des Lehrgangs Pflegende Angehörige SRK, den das SRK Kanton Zürich durchgeführt hat. Der Kurs richtet sich an Menschen, die zu Hause Angehörige betreuen oder pflegen. Er ist eine Voraussetzung, damit sie sich bei einer Spitexorganisation anstellen lassen können. Dadurch erhalten Angehörige einen Lohn für den oft hohen Pflegeaufwand zu Hause. 

Die eigenen Bedürfnisse beachten, um selber gesund zu bleiben 

Michèle Heidemeyer ist Mutter eines achtjährigen Sohnes im Autismus-Spektrum. «Ich darf ihn nie alleine lassen, auch nicht kurz, um Wäsche aufzuhängen», erzählt sie. Ihr Sohn sei rund um die Uhr auf Beaufsichtigung bei alltäglichen Tätigkeiten angewiesen. «Beim Duschen stelle ich die Temperatur ein. Teils isst er nur mit meiner Unterstützung.» Obschon sie ihren Sohn seit Jahren betreut, hat sie im Kurs viel nützliches Wissen für den Pflegealltag zu Hause erhalten.

Es ist mir im Lehrgang bewusst geworden, dass ich Bedürfnisse habe, die ich einfordern darf.
Michèle Heidemeyer, pflegende Mutter

Der Lehrgang stärkt die betreuenden und pflegenden Angehörigen in ihrer Rolle. Die Mutter erzählt von der positiven Erfahrung aus dem Themenblock zur Selbstfürsorge. Sie nehme sich und ihre tägliche Arbeit dank des Kurses besser wahr. «Ein Stück weit bin ich nun stolz darauf, was ich leiste. Es ist mir bewusst geworden, dass ich Bedürfnisse habe, die ich einfordern darf. Das werde ich tun, weil ich weiss, dass ich darauf achten muss, dass es mir gut geht.» 

Der Lehrgang des SRK Kanton Zürich umfasst vier Präsenztage und ein Online-Selbststudium. Für die stark ausgelasteten Angehörigen ist es eine ideale Kombination. Die meisten könnten mehr Kurstage vor Ort kaum organisieren, da sie zu Hause unentbehrlich sind. Die vier Tage in der Gruppe sind wichtig, da die Teilnehmenden von den Erfahrungen der anderen profitieren. «Wir haben uns gegenseitig Tipps gegeben, offen über unsere Sorgen gesprochen und uns in den Arm genommen », erzählt Michèle Heidemeyer. «Es war wahnsinnig intim und toll. Dieser Austausch hat uns allen viel gebracht.» 

Nach vielen Jahren als pflegender Angehöriger dazu gelernt 

Auch der Kursteilnehmer Ruedi Marbot, 77, berichtet begeistert über den Austausch in der Gruppe. Er empfindet es als bereichernd, wie unterschiedlich die Teilnehmenden und ihre Lebensumstände sind. «Das zeigt, dass man nicht allein ist. Jede und jeder hat andere Herausforderungen. Doch alle wollen ihr Bestes geben.» Ruedi Marbot pflegt seit 28 Jahren seine Frau Rosmarie Marbot, 82. Sie erkrankte an Multipler Sklerose (MS).

 «Ich mache alles selber – vom Haushalt bis zum Wechseln des Blasenkatheters und des Stomas», berichtet er. Er war froh, dass im Alter von 62 die Frühpension möglich war. So kann er sich ganz seiner Frau widmen. Nach all den Jahren mit praktischer Erfahrung in der Pflege seiner Frau dachte er, dass ihm der Kurs keine neuen Erkenntnisse mehr bringen würde. Es kam anders: «Ich empfehle den Kurs allen, die zu Hause pflegen und betreuen. Ich habe sehr viel gelernt.»

Ich habe sehr viel dazugelernt, obschon ich meine Frau seit 28 Jahren pflege.
Ruedi Marbot, pflegender Ehemann

Für ihn war es vor dem Kurs schwierig, in jeder Situation die Ruhe zu bewahren. «Wenn etwas danebenging – zum Beispiel im Umgang mit dem Stoma – bin ich jeweils fast an die Decke gegangen. Im Kurs habe ich gelernt, ruhig zu bleiben und die Dinge zu nehmen, wie sie kommen.» Besonders interessant sind für ihn die Themen Körperpflege, Ausscheidungen, Sturzprävention und Alltagsgestaltung. «Die Theorie dazu hat mir viel Sicherheit gegeben. Ich hoffe, dass ich dank des Kurses meine Frau noch viele Jahre selber zu Hause pflegen kann.» Auch Michèle Heidemeyer bestätigt, dass der Kurs ihren Alltag positiv verändert hat: «Ich absolvierte den Kurs nur, weil es sein musste. Doch am Ende muss ich zugeben, dass es sich in vielerlei Hinsicht wirklich gelohnt hat.»

Sind Sie pflegende Angehörige oder pflegender Angehöriger?

Der Lehrgang vermittelt Fachwissen und pflegepraktische Übungssequenzen, die dabei helfen, sicherer mit der Situation und der Rolle im Anstellungsverhältnis umzugehen.