Abdullah hat eine Tochter im Kindergartenalter. Mauros Kinder sind erwachsen. Abdullah lebt seit eineinhalb Jahren in Winterthur, Mauro ist in Winterthur aufgewachsen. Wenn die beiden in Winti unterwegs sind, trifft Mauro immer wieder auf Bekannte. Für Abdullah war und ist vieles neu.
So unterschiedlich ihre Lebenssituation ist, so vereinen sie gleichzeitig sehr viele Gemeinsamkeiten. «Es passt wirklich super», sagt Mauro strahlend. Beide sind sehr engagiert. Zum Beispiel pfeift Abdullah als Schiedsrichter im Fussball genauso wie Mauro dies lange Jahre gemacht hat. «Wir gehen auf jeden Fall einmal zusammen an ein FCW-Match im Stadion, und natürlich werde ich bald einmal zuschauen, wenn Abdullah ein Spiel leitet», erklärt Mauro begeistert. Abdullah erzählt von seinem letzten Einsatz. Er habe ein C-Juniorinnen-Match gepfiffen, was schwierig gewesen sei. Warum? Er lächelt verlegen und meint: «Ich musste doch einigen der 13- bis 15-jährigen Spielerinnen die Regeln nach jedem Pfiff erklären, was schwierig für mich war.» Mauro lacht und erzählt aus seiner Erfahrung als Schiedsrichter in der Frauen-Liga: Fussballerinnen spielen meist fairer als gleichaltrige Spieler, begehen weniger Fouls und wenn doch, dann entschuldigen sie sich sogar oft bei der Gegnerin.
Winterthur erkunden
Unterdessen spazieren die beiden durch Winterthur und Mauro meint schmunzelnd: «Abdullah kennt sich bald besser aus als ich.» Abdullah ist mit dem Fahrrad da und holt später seine Tochter in Oberwinterthur im Kindergarten ab, während Mauro mittlerweile seit vielen Jahren in Neftenbach wohnt und deshalb nicht mehr so oft in Winti ist. Bisher haben die beiden bei ihren Treffen die Stadt zusammen erkundet, waren im Stadtpark, der Bibliothek, der Kleidertauschstation und trinken meist noch gemütlich einen Kaffee in einem der hübschen Strassencafés. Anhand der Aufgabenblätter, die Abdullah aus seinem Deutschkurs mitbringt, repetieren sie oft auch Deutschaufgaben.
Abdullah berichtet, dass er am Tag vorher die Deutschprüfung der Niveaustufe B1 absolviert habe und nervös gewesen sei. Die Prüfung dauerte schriftlich über zwei Stunden und zusätzlich wird auch mündlich geprüft. Die mündliche Aufgabe war, über ein Bild sprechen. Er sei nicht sicher, ob es gereicht habe, er erfahre es diesen Nachmittag und schaut etwas unsicher. Später erfahren wir, dass es für den mündlichen Teil leider nicht gereicht hat. Die nächste Chance ist anfangs 2027, und Mauro sagt: «Wir werden üben, üben, üben.»
Zukunftswünsche
Gefragt nach seinem Beruf in der früheren Heimat, der Türkei, sagt Abdullah: «Imam» und lacht, wahrscheinlich weil er merkt, dass viele gar nicht so genau wissen, was ein Imam macht und sein Deutsch noch nicht ausreicht, dies zu erklären. Mauro unterstreicht: «Er ist sehr begabt und kann sehr viel.» Und nicht nur das, Abdullah ist sehr aktiv. Neben dem grossen Ziel, sein Deutsch rasch zu verbessern, war er schon in mehreren Firmen schnuppern: fünf Tage als Montage-Elektriker und drei Tage als Heizungsinstallateur, und ein Schnuppern als Entwässerungstechnologe ist bereits geplant. Sein langfristiges Ziel ist eine dreijährige Lehre. Auch Mauro ist gerade auf Stellensuche und weiss, wie schwierig es sein kann, das Passende zu finden – trotz grossem Engagement.
Das Projekt «come together» hilft Abdullah auf seinem Weg, seine Zukunft für sich und seine Familie aufzubauen, Kontakte zu knüpfen und im Alltag Deutsch zu üben. Und auch für Mauro ist es bereichernd, einen geflüchteten Menschen im Alltag zu begleiten und dabei Neues zu entdecken. Wie es mit den beiden Tandempartnern weitergeht, was sie gemeinsam erleben, welche Ziele sie erreichen und welche sie sich vornehmen, berichten wir hier in einigen Monaten. Stay tuned!