Alltagsunterstützung

Aus dem Rotkreuz-Alltag

Angehörige erzählen, was ihnen und ihren Liebsten die Unterstützung durch das Rote Kreuz bedeutet – und wie dadurch das Alltagsleben leichter wird.
Fahrerin und Fahrgast vom Rotkreuz-Fahrdienst

Wir als Zürcher Rotes Kreuz erhalten immer wieder dankbare Zuschriften, zum Beispiel von einer Ehefrau, deren Mann den ÖV-Begleitdienst des SRK Kanton Zürich nutzt. Im ÖV-Begleitdienst werden Menschen, die nicht mehr allein mit den ÖV fahren können, durch Rotkreuz-Freiwillige begleitet. Die Frau schrieb uns: «Es ist mir ein ganz grosses Bedürfnis, Ihnen allen einmal von Herzen zu danken für die wertvollen ÖV-Begleitungen. Sie unterstützen meinen demenzbetroffenen Mann und mich enorm. Mich entlasten Sie zeitlich und körperlich, denn die Begleitungen fallen mir aufgrund meiner Rheumaerkrankung oft etwas schwer. Meinem Ehemann ermöglichen Sie, trotz Erkrankung am normalen Leben teilzunehmen, Reize von aussen zu erhalten und so unterwegs zu sein, wie er es sich gewohnt ist.» 

Hilfe für alle Menschen, die Unterstützung benötigen, und in jeder Phase des Lebens – das ist dem Roten Kreuz ein Herzensanliegen. Ob sich jemand aufgrund des Alters, einer Erkrankung oder aus anderen Gründen in einer schwierigen Lebenssituation befindet: Wichtig sind uns individuelle Begleitung und unterstützende Angebote bis zuletzt.

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Der Notruf entlastet auch Angehörige 

Mit dem Rotkreuz-Notruf können Kundinnen und Kunden rund um die Uhr auf Hilfe zählen, wenn sie in einer Notlage sind. Sobald der Alarm ausgelöst wird, organisieren wir Hilfe – so schnell wie möglich kommt jemand vorbei und sieht nach dem Rechten oder hilft beim Aufstehen. Wenn nötig rufen wir den Krankenwagen. Kürzlich erreichte uns eine traurige Nachricht. Ein Notruf- Kunde war verstorben. Seine erwachsene Tochter berichtete uns, er habe den Alarmknopf der Notruf-Uhr am Handgelenk gedrückt, als er im Sterben lag. So wurden seine beiden Töchter rechtzeitig informiert und fuhren sofort zu ihm. Dadurch konnten beide Töchter bei ihm sein und Abschied nehmen, als er starb. Der Tochter und ihrer Schwester hat dies viel bedeutet. 

Oft werden Entlastungsangebote in der ganzen Familie besprochen. So war es auch bei Frau S. «Wir diskutierten schon länger über den Rotkreuz-Notruf, weil meine Mutter allein wohnt, seit mein Vater vor fünf Jahren gestorben ist», erzählt sie. «Ich rufe meine Mutter viel an und gehe oft vorbei. Mein Bruder wohnt sogar im selben Haus und ist auch viel bei ihr. Trotzdem war es uns nicht wohl. Vor allem belastete uns der Gedanke, wenn in der Nacht etwas wäre.» Ihre Mutter habe zudem eine Krebsdiagnose erhalten. So habe sie sich dann für den Rotkreuz-Notruf entschieden. «Ihr gibt es Sicherheit und sie trägt ihr Notruf-Armband immer, darüber bin ich sehr froh.» Frau S. erzählt, dass ihre Mutter schon einige Male versehentlich auf den Knopf gekommen sei, und einmal habe eine Reinigungskraft das Kabel des Notruf-Geräts herausgezogen. Da habe sich die Notruf-Zentrale immer sofort gemeldet. «Wir wissen also, dass es funktioniert», meint sie lachend.

Seit meine Mutter den Notruf hat, schlafe ich viel besser. Mir gibt er auch sehr viel Sicherheit.
Tochter einer Notruf-Kundin, die allein lebt

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Andrea Vollenweider informiert an zahlreichen Veranstaltungen in den Gemeinden persönlich über den Rotkreuz-Notruf. Oder wünschen Sie eine unverbindliche Beratung?  Melden Sie sich online oder rufen Sie uns an. 

Abklären, welche Angebote es gibt 

Der 93-jährige Herr M. nutzt seit einigen Jahren den Rotkreuz-Fahrdienst, da es ihm gesundheitlich nicht gut geht und er vieles nicht mehr machen kann. Seine Ehefrau habe sich bis anhin um ihn gekümmert, erzählt die Tochter, die selbst schon Grossmutter ist: «Meine Mutter war so fit wie ich!» Leider musste die 93-jährige Frau M. plötzlich selbst ins Spital und ist nun gesundheitlich eingeschränkt, sodass sich alles schlagartig geändert hat. Die Tochter hat deswegen das neue Rotkreuz-Angebot der Situationsabklärung genutzt, um mehr über mögliche Unterstützung zu erfahren. Per Post erhielt sie rasch Unterlagen über verschiedene passende Angebote. 

Die Situationsabklärung ist ein Gespräch, meist per Telefon, bei dem die eigene Lebenssituation (oder diejenige einer angehörigen Person) geschildert wird und mögliche Unterstützungsangebote aufgezeigt werden. «Bisher brauchte der Vater nur den Fahrdienst. Das ist ein super Service», erzählt die Tochter. Meist begleitet der gleiche Fahrer den Vater. «Dieser ist sehr herzig, hilft meinem Vater beim Einsteigen und hängt den Arm ein.»

Ich finde es wichtig und schön, dass die Freiwilligen helfen, wenn ein Fahrgast nicht mehr gut laufen kann und Unterstützung benötigt.
Angehörige eines 93-jährigen Fahrgasts

Nun ist die Tochter zusammen mit ihrem Bruder daran, alles Nötige abzuklären und zu organisieren für die Eltern: vom Essen über den Alltag bis zum Fahrdienst. Sie selbst wohnt im Welschland, ihre Eltern im Zürcher Unterland: «Sonst würde ich jeden Tag für meine Eltern kochen, denn ich koche ja sowieso», meint sie. Die telefonische Situationsabklärung des Roten Kreuzes sowie die Spitex lieferten ihr wertvolle Informationen, an welche Stellen sie sich wenden kann und welche Unterstützung es gibt.

«Wo erhalte ich Infos?»

In einer ähnlichen Situation befindet sich die Schwiegertochter einer Witwe, die eine Gelenkoperation hinter sich hat und auf Stöcke angewiesen ist. «Grundsätzlich ist man erst mal überfordert», erzählt die Schwiegertochter. «Was gibt es überhaupt, was meine Schwiegermutter unterstützen könnte? Wo erhalte ich Infos?», fragte sie sich. Seit der Operation ist die Schwiegermutter Kundin beim Rotkreuz-Fahrdienst. «Jetzt könnten wir einmal das Rote Kreuz einschalten und haben die Gewissheit, dass die Schwiegermutter zu den Arztterminen abgeholt und gebracht wird», entschieden sie miteinander. Denn allein mit dem Zug zu fahren, ist nicht mehr möglich. 

Die Schwiegermutter sei sogar im Garten in der Hocke umgekippt – und allein nicht mehr hochgekommen. Der Nachbar habe es gesehen und ihr geholfen. Da habe sich die Familie gefragt: Was wäre, wenn das drinnen in der Wohnung passiert wäre? «So kamen wir darauf, abzuklären, welche Angebote es gibt, bevor es akut wird, und haben die Situationsabklärung genutzt. Das Rote Kreuz ist sehr hilfreich, da dort verschiedene Sachen beieinander sind und es breit gefächert ist. Man hat eine Ansprechperson, die spezialisiert ist. Für uns ist es ein langsames Herantasten, wie es nun weitergeht – auch mit gemeinsamen Gesprächen in der Familie. Ein Thema ist der Notruf, das gäbe uns Sicherheit, und die Anschaffung eines Rollators fürs Einkaufen.»

Anmerkung: Die im Text erwähnten Personen bleiben anonym, um ihre Privatsphäre zu wahren.

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